Ortsbürgermeister schlüpft in die Rolle eines Kita-Erziehers

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In der Künstlerwerkstatt hatte der Ortsbürgermeister beim Malen sichtlich Freude – und die Kinder und Kita-Leiterin Sandra Schwarz schauten gespannt zu. Der Einsatzplan für Peter Moskopp war aber nicht nur Zuckerschlecken: Wie anstrengend die Arbeit der Erzieherinnen ist, erfuhr er hautnah.

Rotznasen geputzt und Brote geschmiert

Im Bällebad versinken, Hasen mit Glitzerstiften malen, zwischendurch beim Broteschmieren helfen – und dann natürlich auch das Geschirr nachher spülen –, Feuerwehrbücher vorlesen und dabei auch mal eine Rotznase abwischen: In das „Abenteuer“, einen ganzen Tag lang in der kommunalen Kindertagesstätte Arche Noah zu hospitieren, hat sich am Donnerstag Ortschef Peter Moskopp (CDU) gestürzt – und ist dabei ganz schön ins Schwitzen gekommen. Das aber ist auch Sinn und Anliegen der Aktion: „Ich will wissen, wo bei den Leuten hier der Schuh drückt. Damit ich bei Entscheidungen, die im Rat immer wieder einmal in Sachen Kita anstehen, auch wirklich weiß, wovon da geredet wird“, beschreibt der Ortsbürgermeister seine Beweggründe für die ungewöhnliche Aktion. Dass Politiker sich schon einmal gerne medienwirksam in Kitas und Schulen ablichten lassen, ist zunächst einmal keine Ausnahmeerscheinung. Allerdings: Solche Auftritte finden in aller Regel um Wahlkampftermine herum statt – und sind dann manchmal binnen Minuten abgehakt.

Peter Moskopp steht dagegen bereits morgens um 8 Uhr im Kita-Foyer „auf der Matte“. „Und Feierabend ist erst um 17 Uhr, wenn die Türen hier wieder geschlossen werden“, kündigt er an.

Sandra Schwarz, die Leiterin der Einrichtung, hat dem Ortsbürgermeister einen Einsatzplan vorbereitet. Der Idee der Hospitation stand sie direkt offen gegenüber. „Ich finde das klasse“, sagt sie. Denn damit drücke der Ortschef auch seine Wertschätzung für die Arbeit der Erzieherinnen aus. „Wir fühlen uns ernst genommen“, lobt die Erzieherin. Für Peter Moskopp geht’s derweil schnurstracks in den Krippenbereich. 27 Kinder unter drei Jahren und ab dem ersten Geburtstag werden hier betreut. Im Frühstücksraum packt der Bürgermeister direkt mit an, streicht fleißig Butter auf Brote, putzt Marmeladenflecke vom Tisch, schenkt den Steppkes Tee ein. Zeit zum Verschnaufen bleibt da keine. „Das ist schon anstrengend, man muss ja ständig präsent sein“, gibt Moskopp zu. Laut Verteilerschlüssel kommt eine Erzieherin auf fünf Kinder. Klingt erst einmal komfortabel. Doch dass das in der Praxis oftmals ganz anders ausschaut, erlebt Moskopp heute hautnah.

Zwei Jungs wollen vom Bürgermeister dann ein Feuerwehrbuch vorgelesen bekommen, bevor es für den Verwaltungsmann weiter zum Frühstückssaal der älteren Kita-Kinder geht. „Puh, ganz schön laut hier“, stellt Moskopp fest. Und spricht damit den Erzieherinnen aus der Seele. „Und jetzt ist der Raum noch nicht mal zur Hälfte gefüllt. Wenn hier alles voll ist, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr“, berichtet Petra Böhm. Ob es nicht irgendeine Möglichkeit gibt, den Raum zu optimieren, damit der Hall mehr absorbiert wird, fragt auch Sandra Schwarz. Moskopp verspricht, das Problem im Rat zu thematisieren und auch mit dem Bauamt Kontakt aufzunehmen. Für den Ortsbürgermeister ein gelungenes Beispiel dafür, wie sinnvoll die Hospitation ist, die er nun mindestens einmal im Jahr regelmäßig absolvieren möchte.

„Der Anbau, in dem sich der Speisesaal befindet, ist von 2011, also fast neu. Wenn jetzt von der Kita Umbauwünsche kommen und niemand die Gründe richtig einordnen kann, dann stößt das im Rat schon einmal auf Unverständnis“, gibt Moskopp zu bedenken. So aber könne er aus eigener Erfahrung berichten, dass es wichtig sei, hier noch einmal Geld in die Hand zu nehmen. „Gerade darum geht es mir: Einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Entscheidungen nicht nur am runden Tisch zu treffen, ohne Kenntnis von der Praxis zu haben“, betont der Ortschef.

Quelle: RZ Koblenz und Region vom Freitag, 13. Oktober 2017, Seite 24